Wenn Pflegenden die Hand „ausrutscht“…

Schlagzeilen über Gewalt in der Pflege sind in der heutigen Zeit leider keine Seltenheit. In den schlimmsten Fällen handelt es sich tatsächlich um körperliche Misshandlungen, Ruhigstellung mit Medikamenten oder Freiheitsberaubung. Der Begriff „Gewalt“ ist wahnsinnig vielfältig und fängt teilweise sehr verdeckt an. Manche Gewalthandlungen werden in den Augen Pflegender nicht als solche gesehen oder verstanden.Die wenigsten von uns wissen sicherlich, dass z.B. bereits ein unabgesprochenes Dutzen des Patienten oder Verletzung des Schamgefühls zu solchen Machtübergriffen zählen. Mangelnde Ernährung, unzureichende hygienische Versorgung, Missachtung des Willens, soziale Isolierung, Einschränkung der Bewegungsfreiheit sind zweifellos Gewalttaten gegenüber Pflegebedürftigen.
Deutlich ernster und schockierender wird das Thema, wenn Patienten oder Heimbewohnern körperliche Gewalt angetan wird. Die Ausmaße sind sehr unterschiedlich, reichen von unsanftem Anfassen bis hin zum Schlagen!
Wie kann es zu solchen Übergriffen kommen? Das lässt sich evtl. folgendermaßen erklären.
Viele Menschen sind durch Krankheit, Alter oder Behinderung auf die Pflege und Betreuung angewiesen.  Auf der anderen Seite stehen die völlig gestressten, gefrusteten, erschöpften und überforderten Betreuer. Wenn dann auch noch die Patienten oder Heimbewohner aufgrund von neuer Umgebung, Umstrukturierung der Tagesabläufe, Narkose oder fehlende Gewohnheiten auffälliges Verhalten in Form von häufigem Klingeln, Verwirrtheit, Zorn oder manchmal sogar Aggressionen zeigen, kann sich die Situation zwischen den „beiden Parteien“ eskalieren. Die Pflegenden geben ihren „negativen Gefühlen“ freien Lauf. Der Weg zum „Explodieren“ oder „Ausrasten“ ist dann nicht mehr weit und endet letztendlich mit körperlicher Gewalt, da seitens des Pflegepersonals in dem Augenblick wahrscheinlich keine andere Lösung oder Entspannung der Situation gesehen wird.
Das ist theoretisch eine mögliche Erklärung für das „kriminelle“ Verhalten einer schwachen Minderheit (wie ich hoffe) in unserem Beruf, die ich persönlich unter keinen Umständen gelten lassen kann.
Auch wenn der Umgang mit manchen Patienten oder Heimbewohnern extrem viel Geduld und Kraft erfordert, gibt es keine Situation, die man nicht gewaltfrei lösen könnte.
Wer dazu nicht in der Lage ist, ist völlig fehl am Platz.

Was kann man tun, wenn einem Gewalttaten bzw. die ersten Anzeichen auffallen? Bei den ersten Andeutungen von möglichen Machtübergriffen den betroffenen Kollegen direkt ansprechen und auf sein Fehlverhalten hinweisen. Bereits in diesem Stadium ist es ratsam einen Vorgesetzten miteinzubeziehen. Sollte die „Gewalt“ sogar körperliche Misshandlung angenommen haben, ist der einzig richtige Weg eine Anzeige bei der Polizei. Die Unterrichtung der Pflegekasse und der Heimaufsicht ist denke ich in solchen Fällen unablässig.

Damit es erst gar nicht soweit kommt, sollte man allerdings schon im Vorfeld etwas gegen Gewalt tun.
Besonders wichtig ist ein gutes Arbeitsklima und Arbeitsstrukturen, die Gewalt nicht provozieren. Man muss besonders in schwierigen Situationen zu einander stehen, sich unterstützen und für das Thema sensibilisieren. Gewalt darf kein Tabuthema werden!

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Ein Gedanke zu „Wenn Pflegenden die Hand „ausrutscht“…“

  1. „Macht in der Pflege“ gibt es auch im häuslichen Bereich, wie ich in letzter Zeit mit Schrecken feststellen muß.Und das keineswegs durch das Pflegepersonal!Auch Angehörige sind dazu fähig, da wird der Oma jedes Essen mit den vehassten Kräutern überstreut, da wird der Opa aus dem Haus ausgesperrt, die Mutter muß im Dunkeln essen und so weiter,aber das Schärfste waren bis jetzt, die durchgeschnittenen Bremskabel am Rollator!

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