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Reflux: Therapieoptionen einer Volkskrankheit

Freitag, 16. Juni 2017 | Autor:

Sodbrennen ist ein Gefühl, welches viele Deutsche kennen. Es wird verursacht durch Mageninhalte, welche in die Speiseröhre zurückfließen und dort Entzündungen auslösen. Insbesondere ältere und bettlägerige Menschen sind oft betroffen. Reflux tritt im Liegen häufiger auf, da die Schwerkraft in dieser Position nicht für einen arbeitet.

Gegen Sodbrennen werden meist Protonenpumpenhemmer verordnet. Diese haben ihre Bezeichnung daher, dass sie die Aktivität der Pumpen verringern, welche Säure in den Magen befördern. Durch die geringere Säureproduktion wird zwar der Reflux selbst nicht verringert, allerdings lassen die Symptome nach, da die Speiseröhre weniger gereizt wird. 

Leider ändern die Medikamente jedoch nichts daran, dass die Refluxkrankheit sich mit der Zeit verschlimmert. Bei den meisten Patienten liegt die Refluxursache im Ventil, welches Magen und Speiseröhre trennt – dem untere Ösophagussphinkter (UÖS). Dieser ist bei den allermeisten Refluxpatienten beschädigt, was sich durch einen zu niedrigen Muskeltonus und zu häufiges Öffnen bemerkbar macht.

Ursache für die Schädigung des Ventils sind meist jahrelange zu große Mahlzeiten, sowie Essen vor dem Zubettgehen. Die ständige Überlastung führt zur Degeneration des Muskels, welcher dem Sphinkter seine Kraft verleiht. Ohne weitere Maßnahmen, schreitet die Degeneration des UÖS immer weiter voran. Irgendwann ist der Reflux dann so stark, dass das Sodbrennen trotz Medikamente zurückkommt. Alternativ kann ein Barett-Ösophagus entstehen, einer Krebsvorstufe, welche eine 11,3%ige relative Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Speiseröhrenkrebs bedeutet.

Bewahren und Reparieren des Unteren Ösophagussphinkter

Die effektivste und erste Maßnahme, um den Sphinkter vor weiterer Degeneration zu bewahren, ist simpel: Umstellen der Ernährung. Durch Vermeiden zu großer und später Mahlzeiten wird der Sphinkter nicht weiter überlastet. Das ändert zwar nichts an bereits entstandenem Schaden, hilft jedoch ein voranschreiten der Krankheit zu vermeiden. Zudem wird der Reflux selbst verringert. Außerdem kann die Kopfseite des Bettes erhöht werden, sodass der Körper in einer Schräglage liegt. Patienten bei denen frühzeitig Maßnahmen getroffen werden, ist damit bereits ausreichend geholfen.

Für weiter fortgeschrittene Fälle stehen Operationen zur Verfügung, um die Sphinkterfunktion wiederherzustellen. Der derzeitige Goldstandard ist die sogenannte Fundoplicatio. Im letzten Jahrzehnt haben sich zudem alternative Verfahren etabliert, wie das magnetische LINX-Implantat.

Bei der Fundoplicatio wird der obere Teil des Magens um den unteren Ösophagussphinkter gewickelt. Dabei wird die sogenannte Manschette gebildet, welche den Sphinkter umschließt, verstärkt und Reflux verhindert. Es gibt verschiedene Arten der Fundoplicatio, die sich darin unterscheiden, wie weit die Manschette den Sphinkter umschließt.

Die häufigste Variante ist die Nissen Fundoplicatio, bei welcher eine komplette 360° Manschette gebildet wird. Eine ebenfalls häufig genutzte Version ist Toupet, welche mit 270° zwar Reflux weniger effektiv verhindert, dafür aber weniger Nebenwirkungen hat. Denn ein Teil der Patienten hat nach der Fundoplicatio Probleme mit (schmerzhaften) Blähungen und Schluckschwierigkeiten. Die Wahrscheinlichkeit für negative Folgen kann reduziert werden, indem der Chirurg die Art der Fundoplicatio auf den Patienten korrekt abstimmt.

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Thema: Gesundheit, Krankenpflege Allgemein

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